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Rückblick

Christian Schad

Spiegel und Magie
Graphiken und Photogramme 1913-1981

Eine Ausstellung der Städtischen Galerie Ravensburg
vom 24. Oktober 2009 bis 17. Januar 2010

Christian Schad ist einer der bedeutendsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit. In gestochen-scharfen realistischen Porträts hielt er zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Berliner Großstadtleben fest und prägte damit bis heute das Bild von den "goldenen" Zwanziger Jahren. Weniger bekannt ist, dass Schad auch ein großer Meister der Druckgraphik gewesen ist und Zeit seines Lebens mit den verschiedensten Techniken experimentierte. Die Städtische Galerie Ravensburg zeigt jetzt eine Auswahl seines umfangreichen druckgrafischen Oeuvres von den Anfängen bis zum Spätwerk des Künstlers.

Angefangen von den frühen expressionistischen Grafiken, über die Milieustudien der 1920er Jahre, die das Charakteristische der Menschen mittels geschwungenen Lineaturen festhalten, wandelt sich Christian Schad in den sechs Jahrzehnten seines künstlerischen Schaffens vom veristischen Zeitzeugen zu einem Phantastischen Realisten. In seinem Spätwerk registriert der Künstler nicht nur äußere Eindrücke, sondern lässt auch Fantastisches und Mythologisches in seine Arbeiten mit einfließen. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den Photogrammen – den so genannten Schadographien, die Christian Schad 1918 entdeckt und denen er sich in den 1960er Jahren in veränderter Form erneut zuwendet. Die Photogramme, Collagen auf Fotopapier, die in der Dunkelkammer entstehen, erschließen Christian Schad neue kreative Räume mit fantastischen Aussichten.

Die Ausstellung entstand mit Unterstützung des Christian Schad Archivs Rottach-Egern Marie-Luise Richter und dem Kunstkabinett und der Edition G.A. Richter, Rottach-Egern sowie der freundlichen Unterstützung der Baden-Württembergischen Bank.

Kuratorin: Dr. Nicole Fritz

Kunst im Gespräch

Mittwoch, 28. Oktober 2009, 19 Uhr
Sonderführung mit der Ausstellungskuratorin Dr. Nicole Fritz

Mittwoch, 11. November 2009, 19 Uhr
„Der Blaue Affe“
(Kurzspielfilm 2006, Regie: Carsten Unger, 45 Min.)
Der Film „Der Blaue Affe“ mit Esther Zimmering und Mathias Schweighöfer in den Hauptrollen erzählt die letzte Liebesgeschichte der Goldenen 20er Jahre. Formal orientiert an den Kunstströmungen dieser Zeit, vermittelt er eine Welt, in der die Gemälde von Otto Dix, Tamara de Lempicka und George Grosz zur Musik von Friedrich Holländer lebendig werden.
Wer ein Kleidungsstück aus den 20er Jahren trägt, hat freien Eintritt.
Umtrunk im Anschluss an die Filmvorführung.

Mittwoch, 2. Dezember 2009, 19 Uhr
"Einbruch der reinen Technik in die Kunst" – das Fotogramm von
Schad bis heute. Vortrag von Tim Otto Roth

Mittwoch, 13. Januar 2009, 19 Uhr
"Schad in Zürich" – "Der Mensch ist ohne Norm" Vortrag von Michael Borrasch

Finissage, Sonntag,  17. Januar 2010
ab 14 Uhr Kurzführungen mit der Ausstellungskuratorin Dr. Nicole Fritz

Katalog

Christian Schad. Druckgraphiken und Schadographien 1913−1981.
Edition G.A. Richter, 184 Seiten. Mit einem Holzschnitt als lose Beilage, 29,80 €.

Museumspädagogik

Museumspädagogische Unterlagen können demnächst unter www.ravensburg.de, www.kinder.ravensburg.de abgerufen werden. Sie erhalten sie auch im im Kulturamt Ravensburg, Telefon 0751 82-109, .

    
links: Die Rüstung: Christian Schad: „Die Rüstung“, 1969, Radierung, Edition G.A. Richter
rechts: Scarboimghäus: Christian Schad: „Scarbo im Gehäus“, 1963, Print der Schadographie, Edition G.A. Richter

Bilder:
rechts oben: Selbstbildnis1915: Christian Schad: Selbstbildnis, 1915, Holzschnitt, Edition G.A. Richter
links oben: Christian Schad: Maika, 1928, Lithographie
Mitte rechts: Knutschloge: Christian Schad: „Knutschloge“, 1929, Zweifarbige Lithographie, Edition G.A. Richter


Interview für Kinder


"Mehli" hat sich mit Dr. Franz Schwarzbauer, dem Kulturamtsleiter der Stadt Ravensburg (Foto rechts) über die Ausstellung "Christian Schad, SPIEGEL UND MAGIE, Graphiken und Fotogramme"
unterhalten. Hier könnt ihr nachlesen, worüber sie gesprochen haben.



Mehli:
Hallo Herr Dr. Schwarzbauer. Damit ich vor Ihnen nicht ganz blöd da stehe, habe ich mich auf unser Gespräch vorbereitet. Als ich hörte, dass die neue Ausstellung in der Städtischen Galerie einen Künstler Schad zeigt, habe ich natürlich gleich an den Schadbrunnen in Ravensburg gedacht – doch damit hat die Ausstellung ja gar nichts zu tun. Der Künstler heißt nämlich Christian mit Vornamen und ist schon eine Weile tot.  Ist er mit dem Künstler Robert Schad vom Brunnen wenigstens verwandt?

Schwarzbauer:
Nein, meines Wissens nicht. Aber das gibt es ja öfter, dass zwei den gleichen Namen haben und nicht miteinander verwandt sind. Vielleicht kannst du dir den Namen Christian Schad so besser merken...

Mehli:

Sie sind der Leiter des Kulturamtes in Ravensburg. Ist ihnen die Städtische Galerie besonders wichtig oder gehen Sie lieber ins Konzerthaus? Was gehört überhaupt alles zu Kultur?

Schwarzbauer:
Die städtische Galerie liegt mir sehr am Herzen – was freilich nicht bedeutet, dass ich nicht auch gerne ins Konzerthaus gehe. Ja, die Kultur ist ein weites Feld (um einen berühmten Dichter zu zitieren). Zur Kultur gehören nicht nur Ausstellungen, sondern eben auch Konzerte, Theater, Lesungen, auch Kabarett, Jazz, Tanz und vieles mehr.

Mehli:
Beim letzten Mal habe ich mich mit Frau Dr. Fritz unterhalten und weiß jetzt, was das schwierige Wort KURATOR bedeutet. Frau Fritz kümmert sich auch um diese Schad-Ausstellung. Haben Sie also gar nichts mit der Ausstellung zu tun oder mussten Sie sich öfters mit Frau Fritz zusammen setzen, damit nichts schief geht?

Schwarzbauer:
Dochdochdoch, mit der Ausstellung habe ich schon zu tun – weils mich interessiert, und nicht weil ich Sorge habe, es könnte was schief gehen. Frau Dr. Fritz und ich waren zusammen im Schad-Archiv in Rottach-Egern, um die Vorgespräche zu führen. Andererseits bin ich froh, dass Frau Dr. Fritz viel Erfahrung hat und ich mich auf sie verlassen kann.

Mehli:
Kannten Sie Christian Schad eigentlich schon vorher?

Schwarzbauer:
Ja, mir war Christian Schad ein Begriff, ich kannte vor allem seine Portraits aus den 1920er Jahren, die ihn auch berühmt gemacht haben.

Mehli:
Ein paar Dinge weiß ich schon vom Künstler. Er kam 1894 zur Welt und ist sehr alt geworden. Außerdem war ein ganz schön wilder Typ. Mit 13 Jahren hat er sich einen Foto-Vergrößerungsapparat gebaut und viel mit Fotografie experimentiert. Das war damals ja alles noch ganz neu. Ein Jahr vor dem Abitur hat er dann das Gymnasium verlassen, weil er Künstler werden wollte. Finden Sie das cool oder total bescheuert?

Schwarzbauer:
Tja, weder cool noch bescheuert. Er hielt es wohl nicht mehr im Gymnasium aus. Dazu musst du wissen, dass es damals ziemlich autoritär zuging auf dem Gymnasium. Aber er musste das später bitter bezahlen, dass er ohne Schulabschluss und Ausbildung war, er musste sich oft sehr mühsam durchs Leben schlagen...

Mehli:
Was war Ihr Traum als Jugendlicher? Haben Sie auch irgendwelche heimlichen Experimente oder Erfindungen gemacht?

Schwarzbauer:
Mein Traum als Jugendlicher? Ich bin auf einem richtigen Bauernhof aufgewachsen, da ist für Träume, lieber Mehli, kein Platz. Andererseits war ich für das Gymnasium in einem Internat, und da war meine Perspektive bald klar: später mal an die Universität gehen, studieren.

Mehli:
Dann habe ich noch gelesen, dass Christian Schad oft Geldprobleme hatte und alles mögliche versuchte, um Geld zu verdienen. Einmal ging er in den Zirkus, um dort Lassowerfen und Stepptanz zu lernen.
Wofür hätten Sie sich entschieden?

Schwarzbauer:
Ich glaube, ich hätte Nützlicheres gemacht... Weißt du, auf einem Bauernhof lernt man, die Ärmel hochzukrempeln, zuzupacken. Und so jemand findet immer richtige Arbeit...

Mehli:
Christian Schad war vor dem Kriegdienst aus Deutschland geflohen und hatte eine Zeit lang in der Schweiz gewohnt. Dort hat er sich sogar als Holländer ausgegeben. Wenn Sie sich eine andere Nationalität zulegen müssten, welche würden Sie wählen?

Schwarzbauer:
Schwer zu sagen, vielleicht Schweizer. Oder Italiener. Oder Grieche.

Mehli:
Ich finde das Leben von Christian Schad so spannend, dass ich dabei fast seine Kunst vergesse. Aber sicher spürt man dieses wilde Leben und die Lust am Experimentieren auch in der Ausstellung. Haben Sie einen Tipp für mich, worauf ich ganz besonders achten muss?

Schwarzbauer:
Ja, schau dir die verschiedenen Selbstportraits an. Schad hat sich immer mal wieder selbst dargestellt. Mit großen Unterschieden. Und überleg' dir dabei, wie du dich selber siehst. Du könntest dich doch am Ende selber zeichnen, was meinst du? Ich würde mich freuen.

Mehli:
Nun habe ich Sie mit meinen Fragen gelöchert. Die Ausstellung geht bis nach Weihnachten, ich will allerdings bald kommen und schauen, was da so an den Wänden hängt. Bestimmt geht es nächsten Jahr mit Kunstausstellungen in der Städtischen Galerie weiter, Sie werden schon mehr wissen, wollen es aber vielleicht noch nicht verraten. Oder etwa doch?

Schwarzbauer:
Doch, dir will ich es schon unter vier Augen sagen, jedenfalls welcher Künstler den Reigen im nächsten Jahr eröffnet: es ist Hermann Waibel, wie du aus Ravensburg! Und ich hoffe, du schaust dir auch diese Ausstellung dann wieder an.



Foto:
ganz oben: Dr. Franz Schwarzbauer, Kulturamtsleiter der Stadt Ravensburg

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Städtische Galerie Ravensburg
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Telefax 0751 82-165

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Dienstag  bis Sonntag
10−18 Uhr

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samstags 16 Uhr und
sonntags 11 Uhr
mit Babette Caesar,
Birgit Schwartz-Glonnegger, Maria Niermann-Schubert oder Andrea Dreher

Kinderführungen ab 6 Jahren
mit Maria Niermann-Schubert
Samstag, 14. November, Samstag, 12. Dezember und Samstag, 9. Januar - 
jeweils um 11 Uhr

Gruppenführungen
Anmeldung unter
Telefon 0751 82-109

Ausstellungsflyer Christian Schad

Christan Schad

„Selbstporträt“, 1981, Radierung. Edition G.A. Richter