"Experiment geglückt", lautet das Resümee aller Beteiligten an der offenen Planungswerkstatt "Neue Ortsmitte Bavendorf", die am 18. und 19. November 2011 im Bavendorfer Rathaus stattfand.
Etwa 20 Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung von Ortschaftrat und Stadtplanungsamt gefolgt, um an zwei Tagen und in drei Arbeitsgruppen an Ideen und Konzepten für die Gestaltung einer neuen Ortsmitte rund um das Rathaus mitzuwirken. Unterstützt wurden sie dabei von erfahrenen Teams aus Architekten, Stadtplanern und Landschaftsarchitekten.
"Uns war es wichtig, die Bürger von Anfang an mitzunehmen", sagt Peter Klink, Leiter des Stadtplanungsamtes. In der Regel beauftrage die Stadt einen oder mehrere Entwürfe und stelle diese im Rahmen einer Bürgerinformation vor. Weil dann aber nur die Ergebnisse eines langen und kreativen Prozesses des Entwerfens und Verwerfens, des Suchens nach der besten Lösung zu sehen seien, könnten die Bürger deren Entstehung oft nicht nachvollziehen. In Bavendorf sollten die Bürger deshalb von Anfang an mitverfolgen und aktiv mitgestalten können, wenn aus ersten Skizzen nach und nach ein Plan entsteht.
Wohnen, Verkehr, Nahversorgung
Dieses Angebot nahmen die Bavendorfer gerne an und machten sich mit großer Begeisterung an die Arbeit. Am ersten Tag wurden die Potenziale und Defizite des Ortes zusammengetragen und die gewünschten Nutzungen für eine neue Mitte herausgefiltert. Im gemeinsamen Gespräch am ersten Abend wurde deutlich, dass alle Gruppen zu ähnlichen Ergebnissen gekommen waren: Vermisst wurde die Möglichkeit, sich in Bavendorf zwanglos treffen zu können. Wohnen für alle Generationen und eine funktionierende Nahversorgung wurden gewünscht. Auch die B 33 mit ihrer Verkehrsbelastung, den Mängeln im Straßenraum und den Problemen beim Überqueren war ein Kernanliegen.
Manche Teilnehmer waren allerdings auch überrascht, wie viele funktionierende Strukturen in ihrem Dorf bereits vorhanden sind. So wurde das Gasthaus Kreuz sowohl als sozialer als auch baulicher Mittelpunkt entdeckt und auch das "Lädele" an der B 33 als wichtiger Treff- und Versorgungspunkt hervorgehoben. Das einhellige Fazit des ersten Tages lautete: "Eine neue Mitte kann nur gefunden werden, wenn das Dorf in seiner Gesamtheit betrachtet wird."
Gut für den von der Konstanzer Stadtplanerin Bettina Nocke moderierten Prozess war, dass auch die betroffenen Grundstückseigentümer an beiden Tagen anwesend waren und Ihre Ziele und Vorstellungen in die einzelnen Gruppen einbringen konnten.
"Das ist richtige Arbeit!"
Am Samstag wurden dann in konzentriert-lockerer Arbeitsatmosphäre Ideen skizziert und Modelle gebaut. Die beiden unabhängigen Experten Prof. Günter Telian (Architektur und Städtebau, Karlsruhe) und Prof. Gunter Kölz (Städtebau und Verkehr, Ludwigsburg) unterstützten die Gruppen fachlich mit wichtigen Ratschlägen. "Das ist richtige Arbeit hier" oder "Es wird keine Minute mit Plauschen vertan", so fassten einige Teilnehmer die dichte Atmosphäre zusammen.
Am Samstag Abend folgte dann die Abschlusspräsentation. Die Gruppe mit den Landschaftsarchitekten faktorgrün und K9 Architekten stellte ein Konzept vor, das einen sehr intimen Platzraum auf der freien Fläche des Rathauses zeigt. Hofartig gruppieren sich die Gebäude um einen kompakten und klar begrenzten Dorfplatz. Die Mannschaft mit den Landschaftsarchitekten 365° und den Architekten Angelika König und Andreas Ludwig hatte sich intensiv mit der Möglichkeit eines Kreisverkehrs an der Einmündung Oberzeller Straße auseinandergesetzt. Aufgrund des verkehrlich erforderlichen Durchmessers erhielt dieser jedoch eine Dimension, die sich als unverträglich mit der dörflichen Struktur Bavendorfs erwies. Die dritte Arbeitsgemeinschaft um den Architekten Mathias Hähnig und den Landschaftsarchitekten Stefan Fromm zeigten in ihren sensiblen Zeichnungen einen zur Straße hin geöffneten Platz, an den das Rathaus durch einen Erweiterungsbau angebunden wird. Wohnungen und Flächen für eine mögliche Nahversorgung werden angeboten.
Zum Abschluss zeigte sich Peter Klink, dessen Amt die Werkstatt entwickelt und mit der Ortsverwaltung vorbereitet hatte, vom großen Engagement der Bavendorfer begeistert. Er bedankte sich besonders bei den vielen aktiven Teilnehmern in den Arbeitgruppen. Schließlich hatten sie zwei Tage ihrer Freizeit geopfert, sich ehrenamtlich eingesetzt und zu sehr guten Ergebnissen beigetragen. Dank ging auch an den Taldorfer Ortschaftsrat, der die Chance genutzt habe, für Ravensburg neue und beispielhafte Wege in der Planungs- und Beteiligungskultur zu beschreiten.
Anfang nächsten Jahres werden die Ergebnisse der Planungswerkstatt in einer öffentlichen Sitzung des Ortschaftsrates vorgestellt. Klar war für alle Beteiligten, dass der offene Dialog und die konstruktive Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürger auch in der Zukunft weitergehen soll.
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